Respektvoller Umgang mit Kindern

Respektvoller Umgang mit Kindern

Es gibt für mich nichts schlimmeres als Eltern, die quer durch die Boulderhalle oder über den Spielplatz schreien „ist nicht so schlimm“ wenn ihr Kind stürzt und auf dem Kopf landet. Für uns war es immer wichtig, jedes noch so kleine Wehwehchen zu begutachten, zu pusten und unsere Söhne natürlich zu trösten. Egal ob ein harmloses Stolpern, ein Splitter oder ein blutender Kratzer – ein respektvoller Umgang mit Kindern ist so wichtig!

Kinder ernst nehmen

Kinder fühlen sich dadurch ernst genommen und geteilter Schmerz ist ja bekanntlich halber Schmerz. Während Mädchen oft wie eine Prinzessin behandelt werden, werden Jungen eher wie kleine Piraten behandelt, die schon so einiges aushalten. Doch auch Jungen brauchen Zuwendung, nicht nur als Baby und Kleinkind!

Spielplatz Kindermotorrad
Auf Spielplätzen haben wir uns köstlich amüsiert.

Spielplatz Eindrücke

Immer wieder habe ich auf Spielplätzen erlebt, dass Jungen in bestimmten Situation mehr abverlangt wird, als Mädchen. Wenn Väter ihre Kleinkinder anfeuern „super und jetzt noch ein bisschen höher, das kannst du“. Da hängen sie dann hilflos und ängstlich am Klettergerüst und wollen zu Helden werden. Doch genau das Gegenteil passiert, wenn sie es aufgrund von fehlender Kraft oder Motorik nicht schaffen und „versagen“.
Auch dann ist ein respektvoller Umgang mit Kindern nötig, um die Situation zu entlasten.

Fordern vs überfordern

Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es enorm wichtig Kinder zu fordern und zu fördern, aber altersgerecht und sicher nicht, um anderen zu imponieren! Unsere Kinder können ihre Fähigkeiten zudem schon sehr gut einschätzen und zögern, wenn es zu hoch oder zu viel ist.
Manche „Sonntags-Daddys“ erwecken bei mir leider manchmal den Eindruck, an einem Tag das nachholen zu wollen, was sie die letzten sechs Tage verpasst haben.

Respektvoller Umgang mit Kindern - Höher, schneller, weiter - Action auf der Hüpfburg.
Höher, schneller, weiter – Action auf der Hüpfburg.

Mädchen werden gebremst

Mein Eindruck auf Spielplätzen war, dass Mädchen manchmal regelrecht gebremst wurden, bei dem Versuch mutig die Welt zu entdecken. „Pass auf, fall jetzt nicht runter, das ist schon weit genug“, hörte ich ängstliche Stimmen quieken. Wo bleibt da der Respekt?
Kein Wunder, dass Mädchen manchmal vorsichtiger und stiller sind, wenn sie jahrelang mehr Schutz, eine klarere Führung und engere Grenzen bekommen haben.
Damit Jungen diese intensive Beziehung auch eingehen können, brauchen sie den gleichen Schutz, klare Ansagen und konstante Regeln. Auch wenn sie vielleicht stärker und mutiger wirken. Jungen brauchen Zuwendung und Eltern, die auf Augenhöhe mit ihnen sind und einen respektvollen Umgang.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Einer unserer Söhne erinnert sich bis heute, dass er nach einem Sturz auf den Gehweg von einem fremden Mann angesprochen wurde, „ist nicht so schlimm, ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Dieser Satz wird ja noch getoppt von „Jungs weinen doch nicht“. Und dann heulen sie selbst, wenn die Lieblingsmannschaft verliert und ertränken ihren Frust wenn der Abstieg naht. Da ist schließlich auch kein Platz für blöde Indianersprüche!

Auf Augenhöhe: Geduldig hat dieser Feuerwehrmann alles erklärt, was der Einsatzwagen zu bieten hat – so, als wären die beiden die Feuerwehrmänner von morgen.

Rabauken, Räuber, Racker

Es ist echt spannend, wie unsere Jungs von fremden Menschen oder Bekannten begrüßt wurden. „Na ihr Räuber?“ oder „Die kleinen Racker“ kam des öfteren vor. Allesamt Begriffe, die zwar süß sind, aber auch auf gleicher Ebene sind wie wild, laut und nicht gerade vertrauenserweckend.

Woher kommt es, dass Jungen stark sein müssen?

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie von der Gesellschaft in eine Schublade gepresst werden, in die sie gar nicht hin gehören. Wer wird denn schon gerne abgestempelt, wo doch jeder Mensch individuell ist.

Dass respektlose Indianersprüche nichts bringen, sondern nur Schaden anrichten, sollte doch inzwischen jeder begriffen haben. Erstaunlich, dass dies offensichtlich nicht so ist und ein respektvoller Umgang mit Kindern nicht vorausgesetzt werden kann. Nur weil Eltern stärker und größer sind, heißt das noch lange nicht, dass die Wünsche und Meinungen der Kinder nichts wert sind.

Mutter und Sohn kuscheln
Auf Augenhöhe mit seinen Kindern sein.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Wir haben vom ersten Tag an eine bedürfnisorientierte Erziehung gelebt. Anders wollten wir das gar nicht. Ich finde es nur all zu natürlich ein schreiendes oder weinendes Baby in den Arm zu nehmen. Es wurde gesungen, geschaukelt und gestreichelt, bis Ruhe einkehrte. Das funktionierte einwandfrei! Alleine schon der vertraute Geruch der Eltern wirkt beruhigend und spendet Trost. Zu wissen, mir wird geholfen, wenn ich in Not bin, ist für Babies ein wichtiger Schritt um Vertrauen in die Eltern zu bekommen. Auf die ist Verlass!

Urvertrauen

Dieses Urvertrauen zu stärken hat sich ausbezahlt. Unsere Kinder wissen, dass sie mit allem zu uns kommen können und das machen sie bisher auch.
Auch wenn es nicht immer erfreulich ist! Wenn irgendwas zu Bruch gegangen ist oder sie heimlich irgendwas gemacht haben und es dann beichten, bin ich natürlich nicht begeistert, aber es ist mir lieber, als wenn sie mir so etwas verschweigen.

Richtig trösten auf Augenhöhe
Wenn es weh tut, wird liebevoll getröstet! Sich gegenseitig ernst nehmen und auf Augenhöhe sein, sich zu respektieren und anzuerkennen, das ist für uns wichtig.

Auf Augenhöhe bei Wehwehchen

Manchmal ist es nur eine kurze Aufmerksamkeit, die ein Kind braucht, wenn es gestürzt ist oder sich weg getan hat. In meinem Beitrag Erste Hilfe Tipps für Kinder habe ich unsere Erfahrungen zusammengefasst.

Thesen und Meinungen

Auch wenn ich mich mit manchen Ansichten vielleicht etwas aus dem Fenster lehne, haben meine Erlebnisse sowie Artikel von Jesper Juul oder Reinhard Winter manche These schon bestätigt.

Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, oder ganz andere? Schreibt eure Gedanken in die Kommentare.
Eure Nicki

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